Beitrag 1 von Ildikó von Kürthy

Schreiben wir gemeinsam! Über den Schmerz.

Schmerz ist eine sehr persönliche Angelegenheit – und wie alles im Leben nehmen Frauen auch Schmerzen viel persönlicher als Männer. Und ich besonders. Das ist wissenschaftlich bewiesen! Es ist mit den Schmerzen wie mit den Gefühlen: Die werden bei uns ja auch nicht abgespalten, nicht negiert, nicht unterdrückt, nicht für sich behalten. Frauen leiden mit ganzem Herzen. Frauen sind schmerzempfindlicher. Sie empfinden früher, häufiger, heftiger und länger Schmerzen als Männer. Das liegt an den Hormonen. Ist es nicht großartig, wie Frauen sich gegenseitig Medikamente, Experten, Wundermittel, Schamanen, Kräutermischungen und angesagte Krankenhäuser empfehlen? Wir wissen: Jammern im Chor macht stark. Man muss nicht alles aushalten und Schmerz zu empfinden ist keine Charakterschwäche. Und jetzt kann ich vielleicht endlich zum eigentlichen Thema kommen kann. Ich habe da so ein eigenartiges Ziehen in der linken Schulter...

Beitrag 2

Autor: Elli Drenkow

... und nicht nur in der linken Schulter - mit zunehmendem Alter kommt man in die "knackigen" Jahre :-), hier ziept es, da knackt es, hier wächst eine unattraktive Hautfalte und wo winkt mein Oberarm im Spiegel eigentlich immer hin oder mir etwa höhnisch zu?
Körperlicher Schmerz gehört zum Leben, hat auch eine Warnfunktion und ist ein probates Mittel unseres Körpers zu signalisieren: hey hier geht was kaputt - kümmere dich darum! Es gehört viel Mut dazu, mit zunehmendem Alter den Körper in seinem Altern und den damit manchmal einhergehenden Schmerzen zu akzeptieren und sich zu arrangieren mit all den Zipperlein, die mitunter sehr nervig sein können!
Nicht zu vergleichen ist dies mit dem Schmerz bei der Geburt der Kinder, der etwas Großes, Neues und sagenhaft Schönes in das eigene Lebensgefüge bringt und eine Signalfunktion für das neu beginnende Leben hat, das Elternsein einläutet und dessen abruptes Verschwinden nach der Geburt als so befreiend empfunden wird. (zumindest von mir)
Seelischer Schmerz ist etwas, das eine andere Stellung in unserem Leben einnimmt und oftmals schlimmer und nachhaltiger empfunden wird als jede noch so schlecht heilende Narbe nach einer Operation. Dieser Schmerz lässt uns reifen, zu Erkenntnissen kommen, führt manchmal aber auch zu Verbitterungen - und ist dann sehr kontraproduktiv für ein erfülltes Leben. Mancher steht sich so selbst im Weg. Das ist schade und hier helfen wohl nur eine gute Portion Mut, Selbstvertrauen, gute Freunde mit Mitgefühl, Verständnis - und Zeit.
Meine Devise: Wenn es denn geht: Lassen wir uns von den Schmerzen - welcher Art auch immer- in unserem Leben nach Möglichkeit nicht das Leben selbst vermiesen!

Kommentar von Ildikó von Kürthy

Danke, liebe Elli, auch für diesen wahren und feinfühligen Beitrag.

Ich grüße Dich sehr herzlich! Deine Ildikó

Beitrag 3

Autor: Nina Kremer

"Hallo!? Das war doch meine Idee!"

Immer wenn ich eine geniale Idee habe, hat zeitgleich, jemand die gleiche. Irgendwo auf der Welt. Es ist wie mit Kindernamen: Man denkt irrsinnig lange darüber nach, wie das eigene Kind heißen soll. Trägt seiner ganzen Existenz Rechnung, sondiert all die Filme und Bücher und Menschen, die einem etwas bedeutet haben und sortiert die aus, die zu viel bedeutet haben, mischt es mit Jetzt, folgt ureigenen Instinkten und diskutiert bis aufs Blut mit dem Mann. Bis sich der Name eines einzigartigen Geschöpfes herausschält. Und im gleichen Jahr, im gleichen Monat, am selben Tag in jedem x-beliebigen Krankenhaus, heißen zig Mädchen exakt genauso und so und so. Und die Jungs auch. Gleiches Jahr, gleiche Geschichte, gleicher Name. Nicht einzigartig.

Und so ist es auch mit anderen Ideen. Schon immer gewesen. Am selben Tag, an dem ich morgens in mein Laptop tippe: Paul, Peter, Ralphy, Armin, Jasper, lese ich abends: Ulrich, Georg, Niki, Norbert, Stephan, Eric, Thomas … von Ildikó von Kürthy und wie sie mir in einem Brigitte-Beileger meine Schreibideen rezitiert, mein Verhältnis zu Männern, und meine Gedanken zu meinen Tagebüchern und zu meinem Schreiben. Noch Stunden zuvor habe ich all das, was ich jetzt gedruckt vor mir liegen sehe, beinahe wörtlich meiner Freundin über meine Tagebücher erzählt. Seit Jahren lagen sie wie ein geheimer Schatz in beklebten Schuhkartons und waren immer griffbereit für den Tag, oder die Nacht, in der ich wieder Zeit haben würde, mich zu fragen, wer ich bin, woher ich komme, was ich früher gedacht und gefürchtet habe.

Dieses Zeugnis meines Seins, versiegelt in bunten Schuhkartons, schien mir einzigartig. Und doch hat diese von Kürthy die Nerven, mir aus meinem Tagebuch zu erzählen, als sei es ihr eigenes. Und sie ist sogar schon ein paar Schritte weiter. Ihr Roman steht auf Papier. Lektoriert, gedruckt, ausgeliefert. Ich hingegen hatte gerade einmal eine Din A 4 Seite frisch betippt mit Text-Collagen aus dem Jahr, in dem ich nach Berlin bin, eine Affäre hatte mit einem liierten Mann, und mein erstes Mal mit einem, der lethargisch war und verliebt war in einen, der nie richtig wusste, dass er mich will und in einen, den ich erst viel später küssen sollte und dessen Freund ich erstmal zum Pfand bekam, ungefähr bis mein Kuscheltier-Eisbär die Flöhe hatte, was mich dazu zwang, endgültig erwachsen zu werden. Weiter war ich noch nicht.

Irgendwie wie damals, als wir Taschen nähten und dem Brustbeutel zum Moderevival verhelfen wollten. Da hatten auch welche diese Idee beinah zeitgleich. Auffällig war es auch damals mit dem Theater. Als wir mit Slapstick und MiniDisc-Effekten in WGs auftraten. Da hat es nur wenige Monate gedauert, bis drei fragwürdige Gestalten Hörspiele auf die Bühne brachten und mit einem Abklatsch unserer Kunst Konzerthallen füllten.

Manchen dieser Rückschläge konnte ich gut nehmen. Berühmt wollte ich ja sowieso nicht sein. Aber anderes. War schon anders. Die Sache mit Paul, zum Beispiel: Ich hatte mir gerade überlegt, dass ich ihn auch heiraten würde, dass das wohl eine der besten Ideen wäre, die ich je hatte. Nahezu im gleichen Moment, hatte Charlotte den gleichen Gedanken. Und war sogar schon ein paar Schritte weiter. Sie hatten in diese „Richtung gedacht“. Antrag, JA gesagt, Hochzeit. Er war ihr.

Dagegen ist diese Kürthy Nummer natürlich lau. Aber ok. Vielleicht hat das auch sein Gutes, Ideen in andere Gehirne zu pflanzen. Ich habe viel mehr Zeit, weitere Ideen zu entwickeln. Ich muss nicht stehen bleiben, bei diesem einen Projekt. Sonst würde ich ja heute noch Brustbeutel nähen. Und ich hätte Ehekrise mit Paul und schriebe gedankenverloren an meinen Tagebuch-Collagen weiter. Aber mein Gehirn bleibt im Fluss, Bleibt Trendsetter. Im Geheimen. Es bleibt frei für den nächsten Gedanken. Die Ehre gebührt weiterhin anderen. Aber halt auch der Schweiß.

Kommentar von Ildikó von Kürthy

Liebe Nina!

Ich habe so gelacht über Deinen Text. Na ja, bis auf die Sache mit Paul...

Ich habe mich nie als besonders ideenreich oder gar als Trendsetterin empfunden. Im Gegenteil. Ich habe die Brustbeutel nicht nur nicht selbst genäht, sondern erst getragen, als sie längst wieder out waren. das es mir nun aber gelungen ist, dein Tagbuch zu schreiben und zu veröffentlichen erfüllt mich mit Stolz! :-) Sehr herzlich, Deine Ildikó

Beitrag 4

Autor: Doris Günther

Für uns beide ist mein Bestes bei weitem nicht genug.
Ich schenke dir meine Aufmerksamkeit und hoffe bitterlich auf deine.
Ich möchte dir so gerne nahe sein und scheitere wieder und wieder.
Ich akzeptiere Dinge, wie von niemandem sonst – und entferne mich dabei immer mehr von mir selbst, um den chronischen Schmerz nicht zu spüren.
Ich habe erkannt: die Nähe zu dir wird Sehnsucht bleiben.
Ich habe erkannt: die Nähe zu mir hab ich selbst in der Hand.

Ich beende jetzt den chronischen Schmerz,
weil chronischer Schmerz Gift für mich ist.
Ich wähle stattdessen die große Wunde, indem ich mich distanziere und nicht mehr akzeptiere.
Distanziere von deinem Verhalten – nicht von dir.
Ich stelle mich jetzt nicht mehr zur Verfügung.

Große Wunden tragen das Potenzial zur Heilung in sich,
denn großen Wunden wird Aufmerksamkeit geschenkt.
Chronischer Schmerz wird leicht zur Gewohnheit.
Und Gewohnheit wird gerne übersehen, auf beiden Seiten.

Wenn die große Wunde dann verheilt ist, bin ich eine Heldin.
Das Verweilen im Schmerz macht mich zum Opfer.

Ich habe meine Wahl getroffen: Ich bin die Heldin.
Ich werde nicht aufhören, dich zu lieben.
Aber ich habe begonnen, auch mich zu lieben.

Kommentar von Ildikó von Kürthy

Danke, Doris! Das ist so bewegend und wahr! Chronischer Schmerz wird leicht zur Gewohnheit und dann übersehen. Dann denkt man irgendwann, so muss es wohl sein, denn es war ja schon immer so. Was für einen mutigen Schritt Du gemacht hast! Du bist wirklich eine Heldin! Herzlich! Deine Ildikó