Beitrag 1 von Ildikó von Kürthy

Schreiben wir gemeinsam! Über das, was bleibt.

Manchmal frage ich mich, ob die Reste des Luftballons, der sich vor vielen Jahren am Geburtstag meines Sohnes ganz oben im Baum verfangen hat, dort wohl noch im Wind flattern wird, wenn ich selbst längst Geschichte bin?  Ich frage mich, wer früher in unserem Haus gelebt, gelacht, geweint hat und gestorben ist. Ich liebe es, mir die Geschichten von uralten Tapeten auszumalen, die bei Renovierungsarbeiten zum Vorschein kommen und manchmal ziehe ich das Nachthemd meiner Mutter an. Es ist kein Prachtstück und ich sehe darin aus wie ein gespenstisches Nudelholz. Sie trug es vor 25 Jahren, als sie ins Krankenhaus und nie wieder nach Hause zurück kam. Manchmal gehe ich über den Bürgersteig vor meinem Elternhaus, lege meine Hand auf das alte Gartentor oder umarme, wenn keiner guckt, den Magnolienbaum im Vorgarten. Und dann denke ich, dass vielleicht noch ein paar kleine Eltern- oder gar Großeltern-Moleküle durch die Luft schweben, vielleicht gibt es noch einen mikroskopischen Nachweis von Vaters Schuhen auf dem Asphalt. Wo sind deine Spuren? Und wo werden meine sein? Wer wird sich noch an mich erinnern, wenn meine Restruhezeit abgelaufen und mein Grabstein auf dem Friedhof für Grabsteine gestrandet ist? Wenn ich meinen Söhnen abends von der Oma und dem Opa erzähle, die sie nie kennengelernt haben, frage ich mich, ob das alles ist, was von uns bleibt: Ein Nachthemd, eine Gute-Nacht-Geschichte, oder die Überreste eines Luftballons, hoch oben im Baum? 

Beitrag 2

Autor: Andi S.

Beim Betrachten der Vergänglichkeit beschleicht mich zugleich ein Hauch Melancholie,
schau nur in die glänzenden Augen Deines geliebten Partners,
was für eine Lebensfreude, welch Blick in die Tiefe,
aber eines fernen Tages werden sich die Hände der Liebenden nicht wie von selbst finden,
wie also sollte die achtsame Betrachtung der eigenen Sterblichkeit ein Schlüssel zum Glück sein?
In dem man die Gewöhnlichkeit abstreift und erkennt wie wertvoll die Zeit des Lebens ist,
das Fenster zum Dasein hat sich geöffnet,
nun sehe ich in einem einzelnen Tautropfen den ganzen Ozean,
ein feiner Lichtstrahl erinnert mich an die Sonne,
und ein kleiner Glücksmoment ist mein großes Glück.
Was bleibt sind einzelne Momente der Erinnerung,
der Nachmittag am Strand, die Wanderung auf den Berg,
eine laue Sommernacht und der Blick in den Sternenhimmel,
das Bauen von einem Staudamm an einem Bach,
durchgefroren vom Schlittenfahren nach Hause kommen.
Man sollte sie erlebt haben,
die kostbare Augenblicke für die Ewigkeit.

Kommentar von Ildikó von Kürthy

Danke, liebe Andi, für diesen schönen Text! Er erinnert mich auf der Stelle daran, wie wichtig es ist, kleinen Glücksmomenten große Beachtung zu schenken. Herzliche Grüße! Deine Ildikó

Beitrag 3

Autor: Heidemarie Meyer

Ein TAG, ein JAHR, ein LEBEN
WAS bleibt?

Wieder ist ein Jahr vergangen.
Die Tage flogen schnell dahin
und der Dezember stellt uns Fragen,
nach dem Leben, nach dem Sinn.

Der Sinn, liegt er im Leben selber?
In Freud und Leid? Im Augenblick?
Der winkt uns zu als will er sagen,
sieh her, ich kehre nicht zurück!

Der Frühling hast Du ihn empfunden?
Warmer Regen, milde Luft,
das erste Grün auf Deinen Wegen,
Vogelstimmen, Veilchenduft!

Der Sommer hast Du ihn gesehen?
Sonnenschein und Blumenpracht.
Hörtest Du das leise Rauschen
einer lauen Sommernacht?

Der Herbsttag, hast Du ihn gekostet,
den Apfel mit dem goldnen Blatt?
Ein voller Korb mit reifen Früchten.
Die Arbeit machte froh und satt!

Der WINTER sagt, komm setz dich nieder!
Zünd an ein Licht und hör Dir zu!
Die Melodie, kennst Du sie wieder?
Stimm ein - DAS LEISE LIED BIST DU!

Kommentar von Ildikó von Kürthy

Oh ist das schön, liebe Heidemarie. Bin mit Deinen Zeilen durch mein eigenes Jahr gegangen. Danke! Deine Ildikó