Beitrag 1 von Ildikó von Kürthy

Schreiben wir gemeinsam! Über Neid.

Ich bin nicht neidisch. Das habe ich immer sehr überzeugt von mir behauptet. Entweder stimmt das nicht mehr, oder es hat nie gestimmt. Entweder macht mich mein Älterwerden neidischer oder ehrlicher meinen unpopulären Empfindungen gegenüber. Neid ist so ein fieses, unbekömmliches, kleinliches Gefühl. „Vom Neid zerfressen“ ist das dazu passende Wortbild, und schon stelle ich mir mein Inneres vor, mit hässlichen Mottenlöchern im Gewebe. Wann überkommt mich Neid und kann er womöglich ein recht tauglicher Hinweis sein auf meine ungestillten, vielleicht auch unstillbaren Sehnsüchte? Ich beneide Großfamilien, insbesondere an Weihnachten und Menschen in meinem Alter, deren Eltern noch leben. Ich blicke voll Neid auf Väter und Mütter, deren Kinder sich stundenlang still selbst beschäftigen können und auf Menschen die sich im Griff haben.

Beitrag 2

Autor: D. Blöchl

Blass vor Neid, grün vor Neid. Dass Neid kein angenehmes Gefühl ist, verraten diese Umschreibungen sehr deutlich. Neidisch zu sein ist, glaube ich, menschlich. Neid entsteht im Vergleich mit anderen, die vermeintlich glücklicher, besser oder wohlhabender sind als man selbst. Bei dem direkten und vordergründigen Vergleich schneiden wir niemals gut ab - wir fühlen uns als Verlierer und werden neidisch und unzufrieden. Doch spätestens nach dem ersten Blick hinter fremde Fassaden erkennen wir, dass es bröckelt. Und oftmals viel mehr als bei uns selbst. Dieses Erkennen löst Erleichterung aus und je länger unser Leben andauert, je mehr Blicke wir erhaschen, umso sicherer können wir sein, dass wir es doch eigentlich gar nicht so schlecht erwischt haben. Deshalb steigt mit dem Alter im Grunde genommen auch die Zufriedenheit und deshalb spricht man wohl auch von Altersmilde oder Alterweisheit. Altern bedeutet also nicht nur Cellulitis und Winkearme, sondern auch das positive Gefühl, sich nicht mehr dauernd mit anderen messen zu müssen, zu wissen, was man kann und seine Schwächen akzeptiert zu haben. Dann wird Neid überflüssig. Und man kann getrost wieder die Farbe Grün tragen.

Kommentar von Ildikó von Kürthy

Danke, danke, danke! So toll beschrieben und ja, wir können wieder Grün tragen! :-)) Herzliche Grüße! Deine Ildikó

Beitrag 3

Autor: Claudia aus Berlin

Liebe Ildikó,

Neid - dieses Wort ist immer und überall so negativ behaftet, warum eigentlich? Natürlich bin ich neidisch, aber wenn ich dieses Gefühl in Antrieb und Ansporn umwandeln kann, dann ist das doch gar nichts Schlechtes!

Wenn ich natürlich in meiner Ecke sitzen bleibe und schmolle, dann macht Neid auf Dauer sehr hässlich - oder grün :-) und unglücklich.

An mir beobachte ich allerdings immer öfter, dass mich erst Unzufriedenheit und Neid mit der Energie ausstatten, die ich benötige, um etwas für mich zum Positiven zu verändern und deshalb stehe ich mittlerweile ganz selbstbewußt dazu: Ja, ich bin neidisch und ich bin es aus Überzeugung, denn erst Neid hat mich viele der Ziele erreichen lassen, die ich gerne erreichen wollte - sowohl im großen wie im kleinen.

Ohne Neid wäre ich nicht die, die ich heute bin, und trotz Neid - ich mag' mich!! Vielleicht gerade, weil ich heute weiß, wo ich ohne Neid wäre....Und da möchte ich auf keinen Fall sein....

Kommentar von Ildikó von Kürthy

Liebe Claudia,


so kann man es auch sehen! Großartig, das gefällt mir gut. Der Gedanke, wer ich ohne Neid geworden wäre und zu welchen Leistungen er mich angespornt hat. Ich danke Dir dafür und grüße Dich sahr herzlich!

Deine

Ildikó


Beitrag 4

Autor: Yoko Monisha

Wenn wir an Neid denken, denken wir oft an Menschen, die anderen das Glück wegnehmen, um davon mehr zu haben. Doch was ist Neid überhaupt?
Ich denke, Neid bedeutet Angst und große Unsicherheit. Damit meine ich, dass man glaubt, man sei nicht genug, weil andere besser sind. Scheinbar. Andere haben eine nette Famile, viel Geld oder mehr Freunde und Freundinnen als man selber.
Da ist es doch nur natürlich, wenn man das auch haben will, oder?
Ich glaube, man soll sich dafür nicht schämen müssen. Es macht es nur schlimmer, wenn man nicht zu seinen Gefühlen stehen darf.
Eifersucht kann man nie ganz loswerden, aber der erste Schritt zu einem Leben mit weniger Neid ist, sich einzugestehen, wie man fühlt.
Du bist kein schlechter Mensch, wenn du auf andere neidisch bist.


Kommentar von Ildikó von Kürthy

Danke, liebe Yoko, das finde ich tröstlich und richtig!

Herzlich!

Ildikó

Beitrag 5

Autor: Andreas

Nach ein paar Regentagen in Südtirol,
hatten wir doch noch Glück mit dem Wetter,
die Sonne schien und lockte mit Ihren Strahlen,
alles was laufen kann, nach draußen in die Wärme.
Oh, du gleichermaßen mondänes wie mediterranes Meran, 
wie lange schon waren wir getrennt,
heute wollen wir dich neu erkunden.
Lasst uns aber erst einmal in diesem Cafe,
in erster Reihe an dem Flusse Passer sitzen,
und gemütlich einen Cappuccino schlürfen.
Den letzten, freien Platz hatten wir ergattert,
perfekt im Halbschatten gelegen,
wir spürten die etwas neidischen Blicke der vorbeilaufenden Flaneure,
die unsere Zwetschendatschi mit Sahne begierig in Augenschein nahmen.
Mensch, waren wir stolz wie Oskar.
Die Abreise nahte und wir fuhren den Reschenpass hinauf,
meine Frau kuschelte sich in den Salonsessel mit Schafsfell,
und genoss den Ausblick auf die Berge, 
welche zarte Füße nun auf meinem Armaturenbrett.
Nach gewisser Zeit der obligatorische Satz,
„ich muss mal für kleine Mädchen“. 
Ich sah ein kleineres Dorf und wir parkten vor einer Kirche,
unweit davon war ein markantes Gasthaus, 
und ein hübsches Gesicht, eingerahmt in blonde Locken, 
fragte mich „könnten wir da vielleicht eine Kleinigkeit essen ?“
„Hey, meine Liebste, so kommen wir ja nie nach Deutschland“
Wir waren recht früh am Mittag da,
und haben einen Tisch auf der Terrasse bekommen, 
der noch nicht für die Hotelgäste eingedeckt war. 
O…K, scheint was gehobeneres zu sein,
aber die Speckknödelsuppe und das Wienerschnitzel waren erschwinglich.
So langsam füllte sich der Parkplatz mit edlen Karossen, 
und Menschen in Markenkleidung und Geschmeide gingen zu Tische,
mir fiel auf, daß in diesen Kreisen schon mittags ein Glas Schampus wohl 
zum guten Ton gehört. Und beim Eingießen meines spartanischen 
Mineralwassers, durfte ich die teure Uhr des Chefkellners bewundern.
War ich da jetzt etwa neidisch auf diesen Luxus ?
Überhaupt nicht, jedem wie es Ihm beliebt, meine Welt wäre es nicht.
Das Gasthaus hatte eine rustikale Bauart, angelehnt an den Charme einer 
Ritterburg, wäre ich ein Ritter, würde ich wohl folgende Zeilen niederschreiben. 

„Bienenfleisig, dem Gaste freundlich gesinnt, 
verrichten die Wirtsleute und ihr Gefolge ohne Gepoltere emsig ihr Gewerk. 
Mir dünkt, hier kann man der Knechtschaft des Alltags wahrlich entkommen. 
Gestärkt und mit vollem Bauche, frisch und holde im Geiste, 
zogen meine liebe Frau Gemahlin mit ihren güldenen Haaren 
und meine Wenigkeit , schweren Herzens ob des Abschiedes, von dannen. 
Nicht ohne den Blick zurück zu schweifen, zur edlen Herberge 
..... mögen unsere Wege wieder einmal hierher führen.“

Wir fuhren also weiter in Richtung Heimat, mit dem Gefühl einen schönen Urlaub erlebt zu haben, 
zumal wir auch noch vor Südtirol eine Woche am unverschämt sonnigen Gardasee waren. 
Manche sind ja sogar neidisch, 
nicht nur, wenn man was Schönes hat, 
nein, vielmehr, wenn man was Schönes erlebt.
Ich kenne da jemanden, den …Neidhammel.
Wie er einen argwöhnisch beäugt,
weil man etwas mehr Ausstrahlung hat.
Wie es ihn zermürbt, wenn man ein wenig mehr Geld im Portemonnaie hat,
oder wenn die eigene Frau mehr zu lachen hat, wie die Seinige.
Nie schaut er auf sein Leben, immer hält er Ausschau nach dem Leben anderer,
aber warum, betrachtet er sein Leben als zu gering ?

Kommentar von Ildikó von Kürthy

Lieber Andreas!


Neidlos freue ich mich für Dich :-) und sende Dir herzlichste Grüße!

Ildikó